Stadt-Entwicklungskonzeption für Seiff - Hennersdorf und Umgebung, Germany
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Städtebauliche Recherche
fachliche Unterstützung
Prof. Dr. Ing. Andrea Haase
Dipl.-Ing. (FH) Marco Gernt
Haase/ Gernt
Haase/ Gernt
Stadt Seif - Hennersdorf
Büro A&S Marco Gernt
01.12.2005 bis 31.12.2005
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Prozesse der demographischen Veränderung, vor allem verursacht durch Abwanderung junger und qualifizierter Arbeitskräfte, der Entmischung sozialer Vielfalt und auch Branchenvielfalt und der nachlassenden Investitions-Kraft ansässiger Arbeitgeber sind kontinuierlich einwirkende Kräfte. Vernachlässigung von Bausubstanz, Brachfallen von Nutzungen, Flächen und Gebäuden, insbesondere aus Beständen großflächiger industrieller Nutzung, sind Zeichen der Zeit und der peripheren Lage im Grenzgebiet zu Tschechien und Polen. Auch und gerade die Nähe zu den angrenzenden Ländern mit niedrigerem Lohnniveau wird als negativer Faktor der Konkurrenz von Arbeits- und Wohnmärkten im Ort spürbar. Die regionalen Kräfte von Planung, Wirtschaft und Politik fordern implizit eine ganzheitliche Bewältigung des Strukturwandels, der notwendig ist, um in der Region Oberlausitz und ihren Städten weitergehende Werteverluste aufzuhalten und bestehende Werte zugunsten neuer Wirtschafts- und Raumkonzepte zu verändern. Dies bedarf einer Herangehensweise an die Aufgabe der regionalen und kommunalen Entwicklungsplanung, der neueste Erkenntnisse der Bewertung und Steuerung des regionalen Strukturwandels in Abwanderungsgebieten zugrunde gelegt werden und weiterentwickelt werden müssen.
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Schwierigkeiten und Handlungsnotwendigkeiten: Generell liegt in einer solchen Aufgabe die dringende Notwendigkeit, den laufenden Devaluierungsprozess anzuhalten und zugleich Veränderungen im Denken und Verhalten der Wohn- und Arbeitsbevölkerung einzuleiten und Initiativen zugunsten einer Zusammenführung aufwertungsrelevanter Faktoren zu begründen und zu aktivieren. Dies sind bekannte Probleme strukturschwacher, insbesondere peripherer Regionen zu spätindustriellen Zeiten. Regionale und örtliche Schwierigkeiten liegen darin, die programmatischen Ziele der Raumordnung und Landesplanung in Sachsen zur weitergehenden Zusammenfassung und Stärkung von Siedlungskonzentrationen kritisch-kreativ neu auszulegen, dies zugunsten des notwendigen Wandels an einzelnen Orten mit jeweils zu stärkenden eigenständigen Vorteilen von Struktur und Ort. Diese Stärkung dezentraler örtlicher Besonderheiten ist notwendige Maxime von landes- und regionalpolitischer Strategie in Abstimmung mit räumlichen, wirtschaftlichen und sozialen Konzepten. Die Steuerung der Siedlungsentwicklung in peripheren Lagen, insbesondere in Gebieten der Abwanderung von Bevölkerung und noch wichtiger in Grenzregionen, bedarf einer alternativ wirkenden Bündelung von Kräften mit starken Synergien. Deshalb ist der Blick verstärkt auf die verbleibenden Elemente der räumlich-funktionalen Zusammenhänge zu
richten, die für Wandel geeignet sind und die Innovationen erfolgreich aufnehmen und integrieren könnten. Die Untersuchung zur Vorbereitung und Begründung der Stadtentwicklungskonzeption zielt deshalb besonders auf die Identifizierung und Lokalisierung derjenigen materiellen Bedingungen und derjenigen treibenden Kräfte von Wirtschaft und Gesellschaft, die Traditionen und Kulturen in Stadt und Region in neuer Weise entdecken lassen und für die Anreicherung bestehender Nutzungen erschließbar machen. Dieser Feststellung von Handlungsnotwendigkeiten liegt die Erfahrung zugrunde, dass der Wandel von Nutzungs- und Bebauungsstrukturen, insbesondere die Belebung Brachfallender Flächen, von einem Wandel im Denken der verbliebenen Eigentümer und ortsansässigen Nutzer abhängt. Anschübe zur Verantwortungsübernahme für solch eine Steuerung auf breiter, auch bürgerschaftlicher Basis, bedürfen eindeutiger Signale. Diese können auch im Ort konkret sichtbar werden. Steuerungsnotwendigkeiten zum strukturellen Wandel der räumlichen Entwicklung liegen vor allem in fachübergreifend erarbeiteten Strategien und groben Rahmenbedingungen für die Erhaltung und Veränderung von Bebauung und Freiräumen von Gesamtstadtgebiet und Teilräumen. Der Blick von außen: Die genannten Handlungsnotwendigkeiten entsprechen nicht den industriellen Vorstellungen einer Konzentration, Optimierung und Maximierung von Kräften und Mitteln. Sie stehen scheinbar im Widerspruch zu landläufigen Vorstellungen erfolgreicher Ortsentwicklung und regionaler sowie kommunaler Stadtentwicklungspolitik. Sie widersprechen vordergründig den Zwängen von Landes- und Regionalplanung, organisatorische Einheiten der Verwaltung und der Finanzierung von Infrastruktur sowie der Förderung von ausgleichenden Maßnahmen zur Sicherung der Daseinsvorsorge durch die Zusammenfassung von Ortslagen in peripheren Räumen zu gewinnen.
Sie widersprechen tatsächlich den obsoleten Konzepten bisheriger Formen von Eingemeindung in Stadtkreisen mit Fortführung eines dominanten Zentrums und abhängiger Randlagen von Verwaltung und Wirtschaft. Die Verankerung der Profession der Anbieterin in Forschung und Lehre, aktuell am Fachbereich Architektur der Hochschule Anhalt mit dem besonderen Hintergrund der Erfassung und Bewertung von strukturellen Bedingungen und Perspektiven gegenwärtiger Entwicklung in den Kernen und Rändern der drei größten Städte in Sachsen-Anhalt (s. Haase, 2003, abgeschlossene Forschung, BMBF-Förderung), sowie die Beschäftigung mit Geschichte und aktuellen Anforderungen der Raumordnungspolitik in BRD und Sachsen-Anhalt (s. Haase, seit 2004 laufende Forschung in Eigenfinanzierung), haben vor allem ergeben, das es kleinräumlicher örtlicher Zusammenhänge von Nutzung und Bebauung bedarf, die aufgrund ihrer strukturellen Beschaffenheit und der Vorteile der Lage für die erfolgreiche Aufnahme von Wandel geeignet sind. Diese Erkenntnis führte prinzipiell zu der Forderung, räumliche Einheiten der finanziellen Unterstützung von Strukturwandel eher im Rahmen einer Klassifizierung unterhalb der Größenordnung von Dörfern anzusiedeln. Diese Forschungsergebnisse haben wiederum ihre Grundlagen in mehrdisziplinären und internationalen Forschungsarbeiten der Anbieterin seit 1985 mit Schwerpunkten in Forschungen zum Wandel von Raum- und Stadtstrukturen, zum räumlichen Niederschlag von Innovationen, zur Umnutzung und Belebung brach gefallener Standorte und zur übersetzung von Kriterien der nachhaltigen Entwicklung von Städten und Dörfern in strukturelle Bedingungen für Raumnutzung, soziale und wirtschaftliche Prozesse der stadträumlichen Veränderung. Diese Ergebnisse beruhen auch auf langjährigen Diskursen zu gleichen Themen in internationalen Gremien und Berufsverbänden sowie deren überprüfung und Erneuerung durch die Beratung von Kommunen. Ideen und Strategien für die Initiierung von Nutzungs- und Bedeutungswandel in Gemeinden in Ostdeutschland ist dabei eine Spezialität der von der Anbieterin seit 2000 etablierten Tradition der Städtebau-Lehre zum Stadtumbau am Fachbereich Architektur der Hochschule Anhalt. Diese Tätigkeiten wiederum finden ihren kontinuierlichen Niederschlag in Veröffentlichungen und Vorträgen der Anbieterin und machen Tiefe und Schwerpunkte des zugrunde gelegten Expertenwissens transparent. Der vorliegende Vorschlag umfasst somit die vorhandenen Wertesysteme und die Möglichkeiten und Praktikabilitäten ihrer Veränderung zugunsten der Einrichtung neuer Systeme von Verpflichtung und Belohnung sozialer und wirtschaftlicher Aktivitäten. Er setzt der spätindustriellen (aus-)laufenden Modernisierung von bestehenden strukturellen Bedingungen den umfassenden Wandel von wesentlichen Elementen und Verhaltensmustern durch neue Modelle der Etablierung von innovativen und nachhaltigen Gebrauchs- und Gestaltwerten entgegen. Er beginnt mit der Arbeit an bestehenden Mustern des Denkens, Bewertens und Belohnens von Bedingungen und Handlungen. Erschliessung: Die Autobahnanbindung über Bautzen wird hinsichtlich der Perspektiven zur Stärkung regional und örtlich besonderer Potentiale im Dreiländereck Polen Tschechien, Deutschland als ausreichende Anbindung gesehen. Der Charakter eines ãStraßendorfesÒ ist in Seifhennersdorf noch erhalten und wird heute in modifizierter Form erkennbar fortgeführt. Vorteile hiervon liegen in der eindeutigen Lesbarkeit der Anordnung von Bebauung, Freiräumen in Topographie und in den resultierenden Bedingungen für eine gute Orientierung innerhalb des Ortes an Hügeln, Flussläufen, Bebauung und Verzweigungen im Straßennetz. Nutzungsstrukturen: Die Nutzungsstrukturen sind, den räumlichen Bedingungen entsprechend, kleinteilig und wenig von industrieller Konzentration oder Spezialisierung beeinflusst. Der Strukturwandel findet infolgedessen Potentiale vor, die unmittelbar für die anstehende Transformation zugunsten kleinteiliger räumlich-funktionaler Bedingungen genutzt werden können. Grossflächige Industriebrachen sind nur in geringem Masse vorhanden. Es wäre denkbar, auch diese eher ãsperrigenÒ Vermächtnisse der Geschichte des Nutzungswandels in Stadt und Region in Prozesse der Anreicherung der bestehenden Nutzungsmischungen durch Belebung von handwerklichen Aktivitäten einzubeziehen. Bebauung: Freistehende Gebäude, Villen, Landhäuser, insbesondere die historisch bedeutsame ãGewindehäuserÒ mit Holzelementen, symbolisch für eine frühe Mischung von individueller Viehhaltung und Handwerk, bieten eine Vielfalt städtischer und ländlicher Bedingungen für Kultur, Arbeiten und Wohnen. Freiräume: Private Freiräume sind der Bebauung überwiegend unmittelbar räumlich zugeordnet und stehen in enger Verbindung mit der Nutzung der Gebäude. Die Nutzungsmischung, die für neue Formen der individuellen Zusammenführung von Wohn- und Arbeitsnutzung unter spätindustriellen Bedingungen unerlässlich ist und die Bindung von Menschen und Aktivitäten an einzelne Orte fördert, wird hierdurch in besonderer Weise strukturell unterstützt. Fazit: Es ist eine dauerhafte Struktur mit Potential. Die genannten Merkmale bieten beste Voraussetzungen für den angestrebten Strukturwandel. Die Strukturen von Kernen und Rändern der Besiedelung sind eindeutig räumlich angelegt, die Elemente sind kleinteilig erneuerbar und ersetzbar. Sie sind ebenso erweiterbar. Nutzungsintensivierungen
sind im Rahmen gegebener Charaktermerkmale der Bebauungsstruktur gut möglich. Die Erschliessung ist, bis auf notwendige Ergänzungen in wenigen Randlagen, gesichert. Soziale Einrichtungen sowie Angebote der Versorgung sind noch ausreichend in bestehende Siedlungszusammenhänge integriert, bedürfen jedoch der Anreicherung und Unterstützung.
Mögliche Anschlussprojekte: Fortlaufende Erfolgskontrolle zur Integration einzelner Massnahmen, räumlich-wirtschaftliche Umnutzungskonzepte, Stadtmodell, 3-D-Visualisierung für das Internet. Die übersetzung von bestehenden und gemeinschaftlich zu definierenden Werten in räumlich-funktionale und organisatorische Rahmenbedingungen zielt darauf, wesentliche Charaktermerkmale von Stadt und Region fortzuführen und mögliche Veränderungen mit langfristiger innovativer Wirkung in robust gehaltene Bedingungen von Raum und Wirtschaft räumlich und sozial zu integrieren. Innovationen werden hierbei vor allem in der Zusammenführung von Handwerk und Brauchtum der drei Länder Tschechien, Polen und Deutschland gesehen. Adressaten des Strukturwandels sind Ansässige, Neuansiedler und Besucher, die den Wert örtlich besonderer Bedingungen als kulturelle und wirtschaftliche Ressource zu schätzen wissen und bereit sind, die hierfür notwendigen Investitionen mit finanziellem und bürgerschaftlichem Engagement zu tragen.
Es gilt, die regional und örtlich besonderen Werte von Luft, Topographie, Landschaft, Bebauung und ihren Freiräumen sowie Traditionen und Stärken im Verhalten der Bevölkerung für eine Erneuerung von Nutzungs- und Bebauungsstrukturen zu neuen Konstellationen der innovativen Aneignung verfügbarer Potentiale in Landschaft und Stadtraum hin zu begleiten. Diese Ziele erfordern eine mehrdisziplinäre Beurteilung der Situation in Region, Ort und eine Ganzheitliche Entwicklung von Perspektiven in Kooperation mit Schlüsselpersonen in Wirtschaft und Verwaltung. Die Einbeziehung bestehender Netzwerke zum Aufbau und zur Stärkung bestehender Initiativen ist hierbei von vorrangiger Bedeutung.
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